So ist der Stand beim Steingutquartier
Artikel: „Weser Kurier“ vom 09.08.2026
Bauprojekt in Bremen-Grohn
Das Steingutquartier wächst
So ist der aktuelle Stand beim Großprojekt in Grohn – und so soll es weitergehen
Grohn. Noch braucht man etwas Fantasie, um sich vorzustellen, wie das künftige Steingutquartier auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Norddeutschen Steingut AG in Grohn aussehen soll. Der alte Schornstein und einige weitere alte Backsteinbauten stehen ein wenig verloren auf dem Areal, auf dem noch der Schotter dominiert. Auf der Industriebrache in Grohn entsteht ein modernes, gemischt genutztes Viertel, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbinden soll. Der Nutzungsmix soll aus frei finanzierten und öffentlich geförderten Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, zwei Kindergärten, gewerblichen Mietflächen, Pflege und Gastronomie bestehen.
Und es tut sich was: Betonröhren für die künftige Kanalisation liegen parat, der erste Neubau wächst in die Höhe. Im März war der offizielle Spatenstich. Im sogenannten Solitär II werden 62 geförderte Mietwohnungen entstehen. „Wir werden in diesem Jahr mit einem weiteren Projekt beginnen“, erklärt Olaf Mosel. Ein Gebäude, in dem eine Kindertagesstätte, eine Praxis für Physiotherapie und eine Pflegeeinrichtung untergebracht werden sollen, soll entstehen.
Ein Gebäude, in dem eine Kindertagesstätte, eine Praxis für Physiotherapie und eine Pflegeeinrichtung untergebracht werden sollen, steht als nächstes auf dem Plan.Während es bei vielen großen Bauprojekten zu Verzögerungen kommt, scheint es beim Steingutquartier nach Plan zu laufen. „Es passt alles ganz gut“, erklärt Thorsten Nagel. „Ich glaube, wir sind eine Woche hinter dem Zeitplan, aber das wird noch wieder aufgeholt.“ Das achtstöckige Gebäude, das direkt am ehemaligen Fabrikschornstein gebaut wird, soll demnach im kommenden Herbst „planmäßig in die Vermietung“ gehen.
Zeitgleich zu den Bauarbeiten am Solitär II laufen auch die Planungen für die künftige Straßenführung und die Kanalisation im Steingutquartier. „Das ist gerade in der Umsetzung“, so Mosel. Bereits im vergangenen Dezember hat der Beirat die Namen für die Straßen im Quartier festgelegt: Künftig kann man am Gertrud-Overbeck-Ring, in der Straße Zur alten Steingut oder unter der Adresse Grohner Geest wohnen.
Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass zwischen 2021 und 2023 Baupreise stark gestiegen sind. Der Baupreisindex weist teilweise Steigerungen von mehr als 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Danach flacht sich die Kurve zwar ab, aber die Baukosten kennen weiterhin nur eine Richtung: nach oben. Für das Steingutquartier scheint das kein zu großes Thema zu sein. Thorsten Nagel: „Wir merken das tatsächlich nicht. Wir haben dort ein Generalunternehmen eingesetzt und solche Erhöhungen grundsätzlich ausgeschlossen.“ Er geht davon aus, dass das Projekt Steingutquartier auch weiterhin im Kostenrahmen bleibt. Grundsätzlich sei es so, dass die Baukosten in den vergangenen vier Jahren um 40 Prozent gestiegen seien, erklärt Olaf Mosel. „Da ist es natürlich nach wie vor extrem schwierig, überhaupt Wohnungsbau zu betreiben.“
Im kommenden Jahr sollen noch einmal einhundert Wohnungen auf dem Steingut-Gelände entstehen. „Nicht von uns, sondern von einer Investorengemeinschaft“, erklärt Olaf Mosel. Als sogenannte Bestandshalter baut die Gemeinschaft für ihren eigenen Bestand. „Und wir hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr dort Studentenwohnungen bauen oder bauen lassen können“, sagt Mosel.
Wenn am Ende alle geplanten Neubauten fertiggestellt sind, soll es im Steingutquartier zwischen 400 und 500 Wohnungen geben – von der geförderten Zwei-Zimmer-Wohnung bis zur Eigentumswohnung. Ursprünglich waren 4500 Quadratmeter auf dem ehemaligen Industriegelände für eine Grundschule reserviert, doch laut der Stadt Bremen besteht für sie kein Bedarf.
In den historischen Gebäuden, die auf dem Gelände erhalten geblieben sind, sollen nach den Plänen von Olaf Mosel und Thorsten Nagel Gastrobetriebe einziehen und für Veranstaltungen genutzt werden. Bis dort Leben in die alten Hallen kommt, dürfte es aber wohl noch dauern. „Die werden erst ganz zum Schluss hergerichtet, weil es natürlich für keinen Gastronomen Sinn ergibt, dort zu öffnen, bevor die Bewohner da sind.“
Lucas Brüggemann
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