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Die Klimaschutzsiedlung

Im Büro in Bremen-Vegesack
"Jeder kann einen Beitrag leisten."

Eine M Projekt Story

Moin Lennart,

für unsere Leser möchte ich dich vorab bitten, kurz zu erklären, was wir uns unter einer Klimaschutzsiedlung überhaupt vorstellen können?

Lennart:
Wie der Begriff ja schon impliziert, wird hierbei eine Siedlung so konzipiert und geplant, dass ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Dieses umfasst alle Aspekte des Projektes; zentrale Themen sind hierbei eine effiziente Wärmeversorgung zur Reduktion des Primärenergiebedarfs, hochdämmende Hausfassaden zur Minimierung des Transmissionswärmeverlustes und die Nutzung von solarer Energie. Aber auch die Verwendung von nachhaltigen Materialien spielt eine Rolle. Darüber hinaus wird in Bremen noch ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung bestimmter Grenzwerte für die CO2-Emissionen gelegt.

Dijana:
Du bist maßgeblich am Projekt „Klimaschutzsiedlung 2.0“ in Bremen-Aumund beteiligt. Was genau ist hier deine Aufgabe?

Lennart:
Bei diesem Projekt teile ich mir mit Olaf Mosel als Bauherren-Duo die Projektsteuerung des Bauvorhabens. Während Olaf sich vornehmlich mit den komplexen Themen in Zusammenhang mit der Baurechtschaffung beschäftigt hat, bin ich in enger Zusammenarbeit mit dem Planungsteam an allen planerischen Aspekten des Projektes beteiligt. Mit der Abteilung Kalkulation koordiniere ich die Inhalte der Ausschreibung. Darüber hinaus tauche ich zum ersten Mal in die Welt des Vertriebs ein. Wenn das Bauvorhaben in diesem Jahr auf die Baustelle kommt, werde ich dann für die Bauleitung zentraler Ansprechpartner sein. Insofern darf ich an allen maßgeblichen Prozessen eines komplexen Bauvorhabens teilnehmen, was sehr viel Spaß macht.

Dijana:
Ist dieses Prinzip denn nur auf Wohnquartiere anwendbar, oder sollte nicht jeder so bauen, wenn man damit das Klima schützt?

Lennart:
Hier kann und sollte jeder seinen Beitrag leisten. Hierbei gibt es keine Größenbegrenzung nach unten! Man sollte sich jedoch vorher z.B. von einem Architekten beraten lassen, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren.

Dijana:
Du sagtest oben, dass die Klimaschutzsiedlung auch unter dem Aspekt des Ressourcenschutzes bewertet wird. Inwiefern wirkt sich das auf die verwendeten Baustoffe aus? Ich habe gelesen, dass bei dem Bindemittel für Beton, dem Zement, sehr viel Kohlendioxid durch die hohe Brenntemperatur freigesetzt wird und viel Wasser zur Herstellung benötigt wird.

Lennart:
Das ist richtig und nennt sich Graue Energie. Diese bezeichnet den Energieeinsatz, der für die Herstellung, den Transport, die Lagerung und letztlich auch die Entsorgung eines Baumaterials nötig ist. Dieser ist bei Zement recht hoch. Daher schauen wir uns auch andere Materialien und Bautechniken an, wie z.B. moderne Holzbautechniken. Allerdings ist ein einfacher Austausch von Baumaterialien nicht ohne weiteres möglich, da Themen wie Brandschutz, Schallschutz, Statik etc. mitbetrachtet werden müssen. Gerade im Hinblick auf den baulichen Brandschutz verhindern die in Deutschland sehr ausgeprägten technischen Regelwerke, Auflagen und behördlichen Vorgaben noch eine breitere Verwendung z.B. von Holz. Allerdings ist auch hier ein Paradigmenwechsel zu beobachten. Wir sind diesen Themen gegenüber jedenfalls sehr offen und neugierig gegenüber eingestellt. Vielleicht gibt es in Bremen auch irgendwann ein Hochhaus aus Holz!

Dijana:
Ist ein solches Projekt unter den ganzen Auflagen und Vorgaben überhaupt profitabel zu realisieren?

Lennart:
Wir sind davon überzeugt, dass dieses möglich ist. Die hierzu notwendigen Maßnahmen sind sicher etwas kostenintensiver. Hauptsächlich erfordert es allerdings eine umfangreichere und vertiefte Planung und Abstimmung mit allen Beteiligten. Letztlich ist eine nachhaltige Bauweise aber auch ein gutes Verkaufsargument. Immer mehr Menschen ist der Klimaschutz ein wichtiges Anliegen.

Dijana:
Und wo liegen für die Bewohner einer Klimaschutzsiedlung grundsätzlich die Vorteile? Gibt es staatliche Zuschüsse, wenn man ein solches Haus erwirbt?

Lennart:
In der Tat erhalten die Käufer eines Hauses im Seeland Quartier einen sehr attraktiv verzinsten Kredit von der KfW-Bank sowie einen Tilgungszuschuss von 30.000 €. Das ist ein erheblicher Faktor. Darüber hinaus sind geringe Energieverbräuche und somit geringe Kosten für Wärme und Warmwasser zu erwarten. Auch gibt es selbsterzeugten Strom vom eigenen Dach. Das spart Kosten und ist natürlich auch eine spannende Sache, wenn man seinen eigenen Strom „erntet“!

Dijana:
Es gibt Bedenken der Anwohner, dass das Verkehrsaufkommen mit dem Bau von 80 neuen Reihenhäusern zu hoch werden könnte. Was denkst du darüber?

Lennart:
Diese Ängste halte ich für unbegründet. Es gibt hierzu einerseits ein Verkehrsgutachten, welches eine im Vergleich zum bestehenden Verkehr nur geringfügige prozentuale Erhöhung voraussieht. Außerdem ist dieser Standort mit dem fußläufig erreichbaren Aumunder Bahnhof hervorragend an den ÖPNV angebunden. Gerade Bewohner, die in die Stadt pendeln, werden diesen Vorteil zu schätzen wissen. Wichtig ist aber auch hier wieder die Perspektive der Nachhaltigkeit: Eine höhere Auslastung bestehender Infrastruktur leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, da eine zusätzliche Versiegelung z.B. durch den Neubau von Straßen am Stadtrand vermieden wird. Innenentwicklung ist wesentlich nachhaltiger als Neubaugebiete am Stadtrand!

Dijana:
Abschließend noch eine Frage: Wie trägt dieses Projekt zur Standortentwicklung bei?

Lennart:
Es sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei dem Gebiet ursprünglich um eine Gewerbefläche handelt, das mit Ausnahme des Technologiezentrums nur nie bezogen wurde! Inmitten von Bremen-Aumund wird nun ein qualitativ hochwertiges Wohn- und Lebensumfeld geschaffen, welches in das Umfeld positiv ausstrahlen wird. Es ziehen vorrangig junge Familien mit Kindern in einen gewachsenen Stadtteil. Hiervon profitieren alle.

 

Vielen Dank für Deine Zeit und das sehr interessante Interview!

Das Interview führte Dijana Nukic mit Lennart Breternitz über Klimaschutzsiedlungen
Bremen, 14.01.2021